Projekt: Antastbare Visualit├Ąt

Handgreifliche Beispiele

Das Projekt sammelt handgreifliche Beispiele in Ästhetik, Phänomenologie, Medientheorie und Kulturtheorie. Handgreifliche Beispiele sind solche Beispiele, die die Leser dazu auffordern, die Sache selbst auszuprobieren, sie zu berühren oder nachzufühlen, d.h. selbst praktisch, tätig, "handgreiflich" zu werden - oder dies auf's Strikteste zu unterlassen. So fordert der Phänomenologe (Husserl, Merleau-Ponty) seine Leser dazu auf, mit der rechten Hand die Linke zu ergreifen, um sich seines "Leibes" gewiss zu werden. Der Ästhetiker wiederum kann dogmatisch davor warnen, dass die Berührung eines Kunstgegenstands dessen Genuss durch das (geistige) Auge verhindere, wie Hegel, der in seinen Vorlesungen über die Ästhetik Karl August Böttiger scharf rügt, denn sein "Herumtatscheln an den weichen Marmorpartien der weiblichen Göttinnen gehört nicht zur Kunstbeschauung und zum Kunstgenuss".

Als Agenten der Evidenz ebnen "handgreifliche Beispiele" einen Übergang von der Theorie in die Praxis. Indem solche Beispiele nicht nur etwas veranschaulichen und evident machen, sondern vielmehr zum Praktisch-Werden, Nachfühlen, zur Handgreiflichkeit auffordern, greifen sie selbst ind das Verhältnis zwischen Rhetorik, Ästhetik und Epistemologie ein. 

Zentrale Fragen des Projekts sind daher:

Welche Beispiele setzen sich in den in Betracht stehenden Diskursen durch und warum? Treten sie dabei vielleicht sogar an die Stelle eines bestimmten Wissens? Wie sind diese Beispiele mit operativen Praktiken -- einschließlich aller Aspekte disziplinierenden Übens, bei denen der Körper ins Spiel kommt -- verbunden?

Das Projekt ist angeschlossen an die geplante Tagung "Tangibilität. Handgreifliche Beispiele ästhetischen Wissens". Die Tagung fragt nach dem Verhältnis von Seh- und Tastsinn und wie es sich in den Beispielen aus dem ästhetischen Wissen seit der Aufklärung darstellt.