Example #873
Example*
What is given as example?
Böttigers Herumtatscheln an den weichen Marmorpartien der weiblichen Göttinnen
Denotation/Meaning*
What is the example associated with? What does it stand for?
der Tastsinn ist kein der Kunstauffassung fähiger Sinn/Sinnesorgan
Marker
How is the example indicated? ('e.g.', 'for instance', paranthesis etc.)
Quotation*
Passage in the text; without quotationmarks.

Die Sinne nun, weil sie Sinne sind, d.i. sich auf das Materielle, das Außereinander und in sich Vielfache beziehen, sind selber verschiedene: Gefühl, Geruch, Geschmack, Gehör und Gesicht. Die innere Notwendigket dieser Totalität und ihrer Gliederung zu erweisen, ist hier nicht unseres Amtes, sondern Sache der Naturphilosophie; unsere Frage beschränkt sich auf die Untersuchung, ob alle diese Sinne -- und wenn nicht, welche derselben sodann -- ihrem Begriff nach die Fähigkeit  haben, Organe für die Auffassung von Kunstwerken zu sein. Wir haben in dieser Rücksicht bereits früher Gefühl, Geschmack und Geruch ausgeschlossen. Böttigers Herumtatscheln an den weichen Marmorpartien der weiblichen Göttinnen gehört nicht zur Kunstbeschauung und zum Kunstgenuß. Denn durch den Tastsinn bezieht sich das Subjekt, als sinnlich Einzelnes, bloß auf das sinnlich Einzelne und dessen Schwere, Härte, Weiche, materiellen Widerstand; das Kunstwerk aber ist nichts bloß Sinnliches, sondern der Geist als im Sinnlichen erscheinend. Ebensowenig läßt sich ein Kunstwerk als Kunstwerk schmecken, weil der Geschmack den Gegenstand nicht frei für sich beläßt, sondern sich's reell praktisch mit ihm zu tun macht, ihn auflöst und verzehrt. Eine Bildung und Verfeinerung des Geschmacks ist nur in Ansehung der Speisen und ihrer Zubereitung oder der chemischen Qualitäten der Objekte möglich und erforderlich. Der Gegenstand der Kunst aber soll angeschaut werden in seiner für sich selbständigen Objektivität, die zwar für das Subjekt ist, aber nur in theoretischer, intelligenter, nicht praktischer Weise, und ohne alle Beziehung auf die Begierde und den Willen. Was den Geruch angeht, so kann er ebensowenig ein Organ des Kunstgenusses sein, weil sich die Dinge dem Geruch nur darbieten, insofern sie in sich selber prozessierend sind, sich auflösen durch die Luft und deren praktischen Einfluß.

Cited from*
The publication (book, article etc.) the text is taken from
Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Werke. Vorlesungen über die Ästhetik. Hrsg. von Eva Moldenhauer und Karl Markus Michel. 1. Aufl. Bd. 13-15. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1986
Volume
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2 (14)
Page
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254-255
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Dritter Teil (Das System der einzelnen Künste), Einteilung
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